Ein entmutigender Anfang

Im Rahmen des Projekts FAWAY (First Aid for Women and Youth), das in Partnerschaft mit dem Ministerium für Jugend und Sport durchgeführt wird, führte unser Team in diesem Jahr weitere Schulungen im Südwesten Madagaskars, entlang der Nationalstrasse 34, aus. Im März war unser erster Halt in Mandoto, etwa 267 Kilometer südlich der Hauptstadt. Unser Ziel war es, rund vierzig junge Menschen in Erster Hilfe auszubilden.
Doch nach unserer Ankunft lief nicht alles wie geplant: nur 17 Teilnehmende erschienen. Ich muss zugeben, dass ich nach der so langen Reise, zutiefst enttäuscht war. Ich begann ernsthaft zu zweifeln, ob unsere Anwesenheit überhaupt noch etwas bewirkt. Waren wir tatsächlich den ganzen Weg gereist für so wenige Menschen?
Angesichts dieser Situation beschlossen wir unseren Plan zu ändern und unser Glück in Betafo zu versuchen, das ca. 1-2 Stunden von Mandoto entfernt liegt.

Ein Morgen voller Zweifel

Am nächsten Morgen sollte die Schulung um 8 Uhr in Betafo beginnen. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch nur zwei Teilnehmende anwesend. Wieder war ich skeptisch. Immer wieder fragte ich mich: Lohnt sich das wirklich? Verschwenden wir hier Zeit und Ressourcen? Dann, nach und nach, kamen weitere Menschen hinzu. Gegen 8:30 Uhr begann sich der Raum zu füllen.

Ein unerwartet grosser Zuspruch

Innerhalb kurzer Zeit wurde der Raum zu klein. Wir mussten die Gruppe aufteilen und einige Teilnehmende in einen anderen, grösseren Raum bringen. Doch selbst das reichte nicht aus. Immer mehr Menschen kamen hinzu. Einige waren sogar aus umliegenden Ortschaften angereist, nur um an der Schulung teilzunehmen. Bald gab es nicht mehr genügend Stühle. Schliesslich legten wir Matten auf den Boden, damit dennoch alle an der Veranstaltung teilnehmen konnten. Ich hätte nie erwartet, innerhalb so kurzer Zeit so viele Menschen versammelt zu sehen – vor allem nicht für eine Schulung, die nahezu in letzter Minute organisiert worden war.

Insgesamt durften wir 38 Teilnehmende begrüssen. Doch mehr als die Zahl selbst blieb mir ihre Begeisterung in Erinnerung. Sie waren engagiert, konzentriert und aufrichtig dankbar, dabei sein zu können. Nach unseren Erfahrungen in Mandoto war das für mich eine unglaublich ermutigende und beruhigende Erfahrung.

„Doch mehr noch als die Teilnehmerzahl berührte mich ihr riesiges Interesse. Jede und jeder Einzelne war aufmerksam und glücklich, dabei zu sein.“

Eine Begegnung, die neue Hoffnung schenkte

Ein Teilnehmer hinterliess bei mir einen ganz besonderen Eindruck. Während der gesamten Schulung war er aufmerksam, konzentriert und mit vollem Engagement dabei. Am Ende der Veranstaltung kam er auf mich zu, um mit mir zu sprechen.

Er erzählte mir, dass es sein Traum sei, Ausbilder für Erste Hilfe zu werden und eines Tages eine lokale Gruppe von Ersthelfenden zu gründen.
Dieses Gespräch veränderte etwas in mir. Mir wurde bewusst: selbst, wenn unser Einsatz nur zu der Begegnung mit diesem einen jungen Mann geführt hätte, wäre die Reise bereits jede Anstrengung wert gewesen.

Dieser Moment hat meinen Glauben an die Jugend Madagaskars erneuert. Er erinnerte mich daran, dass es nach wie vor junge Menschen gibt, die etwas verändern möchten, die ihren Gemeinschaften helfen und etwas Wertvolles für ihr Land schaffen wollen.
Auf gewisse Weise können wir mit unseren Schulungen dazu beitragen, diesen Wunsch zu fördern und wachsen zu lassen.

„Es gibt noch immer junge Menschen, die etwas bewegen und etwas Sinnvolles für dieses Land aufbauen wollen.“

Was diese Erfahrung mich lehrte

Am Ende dieses Einsatzes fühlte ich eine tiefe Zufriedenheit. Wir hatten die richtige Entscheidung getroffen hierherzukommen. Wir hatten nicht nur Wissen vermittelt – wir hatten auch Hoffnung geteilt.

Diese Erfahrung hat lehrte mich auch persönlich etwas Wichtiges. Ich mag es, wenn alles sorgfältig geplant ist. Unerwartete Situationen verunsichern mich oft. Durch diesen Einsatz wurde mir bewusst, dass gerade das Ungeplante Türen öffnen kann, die wir uns niemals hätten vorstellen können.

„Manchmal führen uns gerade die unerwarteten Wege genau dorthin, wo wir sein sollen.“

Ammie, Ärztin und Erste-Hilfe-Instruktorin