Mitte April machte ich mich gemeinsam mit drei Kolleginnen und Kollegen auf den Weg zu einem unserer regelmässigen Schulungseinsätze. Dieses Mal führte uns die Reise nach Miandrivazo im Südwesten Madagaskars. Ich hätte nicht erwartet, dass mich dieser Einsatz so nachhaltig prägen würde, doch am Ende verstand ich noch deutlicher, warum wir diese Arbeit tun.
Eine Reise ins Herz Madagaskars
Die Fahrt von Antananarivo führte uns stundenlang durch Landschaften, die sich ständig veränderten: wilde, grosszügige Natur, eine faszinierende Kultur und Menschen, deren Herzlichkeit mich schon bei der ersten Begegnung berührte. Allein dort zu sein, war ein Privileg und schon am ersten Tag wusste ich, dass mir dieser Einsatz noch lange in Erinnerung bleiben würde. Doch nichts hätte mich auf das vorbereiten können, was ich während der Schulungen erleben durfte.
Während unserer Trainingseinheiten hörte ich den Teilnehmenden aufmerksam zu, als sie ihre persönlichen Erfahrungen teilten. Mit jeder einzelnen Geschichte wurde mir eines noch klarer: Diese Erste-Hilfe-Schulung ist lebenswichtig und jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, sie zu absolvieren.
Asly erzählte, dass er einmal miterlebt hatte, wie eine schwer verletzte Person stark blutete. Er wusste damals nicht, wie er die Blutung stoppen konnte. Die Person überlebte nicht, eine Erinnerung, die ihn bis heute begleitet. Mirana berichtete von einer Situation, in der sie einer bewusstlosen Person gegenüberstand und nicht wusste, wie sie reagieren sollte. Noch tiefer geprägt hat sie jedoch der Moment, als ihr Kleinkind sich verschluckte und sie keine Ahnung hatte, wie sie helfen konnte. Und dann war da noch Leonard, ein junger Mann mit dem Traum Arzt zu werden. Für einen kurzen Moment zu erleben, was es bedeutet einem Menschen in einer Notsituation zu helfen, könnte genau die Erfahrung gewesen sein, die seinen Wunsch bestärkte.
Drei unterschiedliche Geschichten und doch dieselbe Erkenntnis: Zu wissen, was in einem entscheidenden Moment zu tun ist, kann alles verändern.
Diese Erkenntnis begleitet mich bis zum Ende jeder Schulung und erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit dafür, dass ich das Privileg habe, dazu beizutragen, Leben zu retten – in Miandrivazo und überall in Madagaskar.
Eines wurde mir noch klarer: Diese Erste-Hilfe-Schulung ist lebenswichtig und jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, sie zu absolvieren.
Laufen über Grenzen hinaus
Menschen zu helfen und Leben zu retten ist eine Aufgabe, die weit über die Grenzen Madagaskars hinausreicht. Seit mehreren Jahren nehme ich am Wings for Life World Run teil, einem weltweiten Benefizlauf zugunsten der Forschung zu Rückenmarksverletzungen. Meine Startgebühr fliesst vollständig in diese Forschung. Dank unserer grosszügigen Sponsoren trug ausserdem jeder von mir gelaufene Kilometer dazu bei, unsere Arbeit hier in Madagaskar zu finanzieren.
Dieses Jahr war etwas ganz Besonderes: Einer unserer Läufer zeigte beeindruckende Ausdauer und legte stolze 29 Kilometer zurück. Ich selbst bin vielleicht weder die stärkste noch die schnellste Läuferin, doch an meiner Entschlossenheit hat sich auch bei meiner inzwischen dritten Teilnahme nichts geändert. Es ist jedes Mal eine Freude und ein Privileg, für all jene zu laufen, die aus den unterschiedlichsten Gründen selbst nicht laufen können.

Jeder Schritt, den ich gemacht habe, war getragen von dem Wunsch, Menschen in Not zu erreichen. Die Freude war überall spürbar, besonders bei den Familien, die gemeinsam mit uns liefen.
Deshalb möchte ich schon heute dazu aufrufen: Wenn du gehen oder laufen kannst, dann werde Teil unseres Teams beim Wings for Life World Run im Mai 2027. Gemeinsam können wir etwas bewegen.
Fazit: Eine Vision, die mich immer weiterträgt
Ich bin AiNA Soa und insbesondere seiner Gründerin Nicole von Herzen dankbar, dass ich diese Vision mittragen und leben darf, Menschen zu Erste-Hilfe-Ausbilderinnen und -Ausbildern auszubilden. Dieses Geschenk ist unbezahlbar.
Die Arbeit bei AiNA Soa fühlt sich genau nach dem Ort an, an den ich gehöre, denn anderen Menschen zu helfen erfüllt mich mit grosser Freude. Manchmal frage ich mich selbst: Wo soll ich überhaupt anfangen? Was kann ich schon bewirken? Meine Antwort lautet: Fang mit dem an, was du hast. Selbst ein Lächeln kann einem Menschen die Kraft geben, weiterzumachen. Es ist nie zu spät, etwas Gutes zu tun. Lasst uns einander helfen.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die im Hintergrund mitwirken und dafür sorgen, dass AiNA Soa weiter wachsen und immer mehr Menschen erreichen kann.
Mamitiana, Reinigung & Assistenz-Instruktorin