Tupac Shakur, ein US-amerikanischer Rapper, sagte einmal:
„Ich behaupte nicht, dass ich die Welt verändern werde, aber ich garantiere, dass ich das Gehirn entzünden werde, das die Welt verändern will.“
Es gibt unzählige Möglichkeiten, dieses Zitat zu interpretieren – doch für mich bringt es die Bedeutung von Wissensweitergabe und der Rolle als positives Vorbild perfekt auf den Punkt. Falls das zu abstrakt klingt, möchte ich es mit Beispielen aus unserer Arbeit mit AiNA soa veranschaulichen.
Als Menschen ist unsere Zeit auf der Erde begrenzt. Ganz gleich, wie engagiert ein einzelner Mensch auch sein mag – niemand kann die Welt allein verändern. Früher oder später läuft unsere Zeit ab und mit ihr drohen unsere Wünsche, Hoffnungen und unser Wissen in Vergessenheit zu geraten.
Ein Hinweis auf einen kraftvolleren Ansatz
Aber was wäre, wenn wir durch unser eigenes Handeln jemand anderen inspirieren könnten?
Was wäre, wenn wir unser Wissen mit jemandem teilten, der es wiederum an eine weitere Person weitergeben könnte?
Das würde einen Welleneffekt erzeugen – wie ein Tropfen Öl, der sich auf einer Oberfläche ausbreitet. Es würde viel weiter reichen, als wir es allein je könnten. Unsere Werte und unser Wissen würden weiterleben – vielleicht sogar lange nachdem wir nicht mehr da sind. Das ist die Kraft des Stabs, den man weiterreicht.

Nelson Mandela sagte einst:
„Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.“
Über AiNA soa
Die Mission von AiNA soa ist, kostenlose Erste-Hilfe-Kurse in einigen der ärmsten Regionen Madagaskars anzubieten. Unser Traum: Jede und jeder in Madagaskar soll zumindest die Grundlagen der Ersten Hilfe kennen. Doch noch sind wir eine kleine Organisation – nur 11 engagierte Personen, die vor Ort in Madagaskar arbeiten.

Um unsere Wirkung nachhaltig zu steigern, erkannten wir, dass es nicht ausreicht, Menschen nur in Erster Hilfe zu schulen. Wir müssen auch Ausbilderinnen und Ausbilder schulen. Das heisst für uns eine ausgewählte Gruppe engagierter Teilnehmerinnen und Teilnehmer früherer Kurse dazu befähigen, selbst Erste-Hilfe-Wissen weiterzugeben. Diese Menschen werden die Wirkung nicht nur vervielfachen, sondern unsere Mission auch in ihre eigenen Gemeinden weitertragen – selbst dann, wenn wir nicht mehr vor Ort sind.
Lernt Linga und Laphostin kennen
Im letzten Jahr schulten wir eine Gruppe in den Grundlagen der Ersten Hilfe geschult. Unter den Teilnehmern waren Linga und Laphostin – zwei junge Menschen, die durch ihre Hingabe, ihre Energie und ihren starken Wunsch, anderen zu helfen, besonders hervorstachen. Als wir sie einluden, an unserem Programm zur Ausbildung von Ausbilder*innen teilzunehmen – mit dem klaren Hinweis, dass sie später kostenlos in ihren Gemeinden unterrichten würden – sagten beide ohne zu zögern zu.

Linga ist aktives Mitglied der Pfadfinderbewegung in Vangaindrano, einer abgelegenen Region im Südosten Madagaskars. Laphostin ist ein junger Mann aus derselben Gegend, der nach seinem Militärdienst auf der Suche nach Arbeit ist. Als letzten Schritt ihrer Ausbildung baten wir die beiden, selbstständig eine Erste-Hilfe-Schulung durchzuführen. Sie entschieden sich für das kleine Dorf Ampasimalemy, etwa 10 Kilometer von Vangaindrano entfernt.

Um ehrlich zu sein, hatten wir nicht mit viel Andrang gerechnet – doch Linga bewies uns das Gegenteil. Viele Dorfbewohner machten sich zu Fuss auf den teils weiten Weg aus entlegenen Gegenden, nur um an der Schulung teilzunehmen. Sie blieben den ganzen ersten Tag – und kamen am nächsten Tag wieder, um das Training zu beenden.
Anfangs waren Linga und Laphostin nervös und machten ein paar kleine Fehler. Aber als ihre Begleitperson ermutigte ich sie, weiterzumachen. In den Pausen gab ich ihnen Rückmeldung, teilte didaktische Tipps mit ihnen und erinnerte sie daran, durchzuatmen und sich selbst zu vertrauen. Nach und nach fanden sie ihren Rhythmus. Sie passten ihre Methoden an, um das Training auch für Teilnehmende zugänglich zu machen, die nicht lesen oder schreiben konnten.
Aus Fähigkeiten und Erfahrungen schöpfen

Am Ende des zweiten Tages hatten sowohl Linga als auch Laphostin ihre Abschlussbewertung bestanden – und wurden offiziell als Erste-Hilfe-Ausbilder zertifiziert. Ich war überwältigt von Stolz. Wir hatten es geschafft – gemeinsam. Wir reichten den Stab weiter.
Und jetzt, selbst wenn wir nicht so bald nach Vangaindrano zurückkehren, weiss ich: Das Wissen über Erste Hilfe wird sich weiterverbreiten – genau dort, wo es am dringendsten gebraucht wird.
Ich glaube, genauso werden wir Schritt für Schritt eine widerstandsfähigere und mitfühlendere Gesellschaft aufbauen.
Wie Platon einmal sagte:
„Entmutige niemals jemanden, der stetig Fortschritte macht, egal wie langsam.“
Avotra, Arzt und Erste-Hilfe-Instruktor