Zu Beginn dieses neuen Jahres taucht eine Eigenschaft immer wieder hartnäckig in meinen Gedanken auf: Durchhaltevermögen. Nicht die Art Durchhaltevermögen, die sich gut bei Reden macht, sondern die, die im echten Leben gelebt wird, wenn alles darauf hindeutet, dass es einfacher wäre, aufzuhören. Die Art, die leise flüstert: Versuch es noch ein einziges Mal.
Eine Strasse, ein Unfall, eine Entscheidung
Während unserem letzten Einsatz im vergangenen Jahr verliessen wir Ranomafana sehr früh am Morgen, um nach Antananarivo zurückzukehren. Wir waren erst seit wenigen Minuten unterwegs, nur ein paar Kilometer ausserhalb der Stadt, als wir auf einen Unfall stiessen. Ein Fahrzeug war von der Strasse abgekommen und sein Fahrer, völlig überfordert, versuchte Hilfe zu finden.
Ohne lange nachzudenken, hielten wir an. Wenige Minuten später schlossen sich uns weitere Passanten an. Gemeinsam beschlossen wir zu versuchen, das Fahrzeug wieder auf die Strasse zu bringen. Die Idee schien einfach, doch die Realität war weitaus komplizierter. Wir hatten kein Abschleppseil, nur Gurte.

Wir versuchten es. Dann versuchten wir es noch einmal. Mehrmals. Die Gurte rissen einer nach dem anderen. Die Zeit verging. Mehr als anderthalb Stunden verstrichen mit Ziehen, Schieben, Nachdenken, Neuansetzen. Und währenddessen lagen noch über 500 Kilometer vor uns, bevor wir Antananarivo erreichen würden.
Dann setzte Maro, unser Fahrer, eine klare Grenze: «Wir versuchen es ein letztes Mal und wenn es nicht klappt, hören wir auf.» Dies sagte er nicht aus mangelndem Willen, sondern weil es ebenso wichtig war zu wissen, wann man aufhören sollte. Dieser letzte Versuch, gemeinsam unternommen, war erfolgreich. Das Fahrzeug bewegte sich und fand schliesslich zurück auf die Strasse. Ein einfacher Moment, aber einer, der einen tiefen Eindruck hinterliess.
Anmerkung: Erst nachdem wir das Auto wieder auf die Strasse gebracht hatten, bemerkten wir, dass das Vorderrad vollständig aus der Achse gesprungen war. Dies war der Grund, weshalb es so schwierig war, das Fahrzeug zu befreien.
Dieser „letzte Versuch“, der den Unterschied macht
Rückblickend spiegelt diese Szene sehr genau wider, was wir innerhalb unserer Organisation erlebt haben. Seit mehr als zehn Jahren sind wir im Bereich der Erste-Hilfe-Ausbildung tätig. In Madagaskar sind diese Kompetenzen noch immer wenig bekannt und werden selten als Priorität betrachtet.
In unserem ersten Jahrzehnt mussten wir vor allem darum kämpfen, überhaupt zu existieren, Partner zu finden und immer wieder erklären, warum Erste Hilfe unverzichtbar ist. Zudem mussten wir akzeptieren, dass uns regelmässig nur ein oder zwei Unternehmen ihr Vertrauen schenkten. Persönlich gab es Momente der Entmutigung, Phasen des Zweifelns an mir selbst und manchmal auch die Versuchung, langsamer zu machen oder ganz aufzugeben. Doch genau wie auf jener Strasse nahe Ranomafana machten wir weiter. Ein Schritt mehr. Eine Schulung mehr. Ein Treffen mehr. Und dann, zu Beginn unseres zweiten Jahrzehnts, begannen sich die Dinge zu verändern. Man kannte uns. Man vertraute uns. Heute wenden sich sogar internationale Organisationen an uns.

Durchhalten, ohne stur zu werden
Durchhaltevermögen ist keine blinde Sturheit. Es bedeutet zu wissen, warum man vorangeht, Misserfolge anzunehmen, die eigene Vorgehensweise anzupassen, aber nicht zu schnell aufzugeben. Es heisst auch, Grenzen setzen zu können, so wie unser Fahrer an jenem Morgen, bewusst ein letztes Mal zu versuchen.
In unserer Arbeit, der Erste-Hilfe-Ausbildung in Madagaskar, war dieses Durchhaltevermögen ein kollektives. Es hat sich über die Jahre hinweg aufgebaut – durch Absagen, Missverständnisse und wiederholte Anstrengungen, um zu sensibilisieren, zu erklären und zu überzeugen. Lange Zeit schienen die Ergebnisse gering. Und doch zählten jede Schulung, jedes Treffen, jede Partnerschaft.
Dass heute verschiedene Akteure, sogar internationale Organisationen, uns ihr Vertrauen schenken, ist nicht das Ergebnis eines schnellen Erfolgs. Es ist das Resultat vieler Versuche, eines beständigen Engagements und einer gemeinsamen Überzeugung: Erste Hilfe rettet Leben und verdient es, von allen gekannt zu werden.
Im Jahr 2026 ist dies die Form des Durchhaltevermögens, die ich weiterhin pflegen möchte, persönlich wie beruflich: eine Haltung, die Zeit akzeptiert, gegenseitige Unterstützung wertschätzt und nicht genau dann aufgibt, wenn sich die Dinge zu verändern beginnen.
Alles Gute fürs 2026
Mirindra, Direktor