Eine vermeidbare Tragödie
Der vergangene Juni war eine besonders schwierige Zeit für uns in Madagaskar. Dutzende von Menschen verloren im ganzen Land ihr Leben, und die Zahl der Todesopfer übersteigt inzwischen 40. An allen betroffenen Orten wird eine Lebensmittelvergiftung oder eine massenhafte lebensmittelbedingte Erkrankung als vermutete Ursache angenommen, auch wenn die Behörden bisher zögern, dies zu bestätigen.
Lebensmittelvergiftungen entstehen typischerweise durch den Verzehr von kontaminierten Speisen oder Getränken – verunreinigt durch Mikroben, Gifte oder Chemikalien. Wenn mehrere Menschen nach dem Verzehr desselben Essens am selben Ort erkranken, spricht man von einem kollektiven lebensmittelbedingten Ausbruch.
Mehrere Faktoren können aus eigentlich sicheren Lebensmitteln eine Gefahr machen: mangelnde Hygiene, abgelaufene Produkte oder Unterbrechungen in der Kühlkette. Letzteres ist besonders besorgniserregend in Madagaskar, wo häufige und langanhaltende Stromausfälle an der Tagesordnung sind. Das könnte teilweise erklären, warum sich die Behörden mit einer offiziellen Bestätigung der Ursache so schwertun.
Als jemand, der für Lebensmittel verantwortlich ist, gehen mir diese Tragödien besonders nahe. Sie haben mir deutlich gemacht, wie unmittelbar meine Arbeit die Sicherheit und das Wohlergehen meiner Kolleginnen und Kollegen beeinflusst. Seitdem achte ich noch bewusster auf Hygiene und die Zubereitung von Speisen – vom Einkauf bis zum Servieren. Ich lege grossen Wert auf frische und sichere Produkte, denn das Essen, das ich serviere, soll dem Begriff «AiNA soa» gerecht werden – was wörtlich übersetzt «gesundes-» bzw. «wertvolles Leben» bedeutet.

Wissen nimmt die Angst
Bei AiNA soa steht das Weitergeben von praktischem Wissen an die madagassische Bevölkerung im Zentrum unserer Mission. In Krisenzeiten wie dieser verbreiten sich Gerüchte und Falschinformationen schnell und schüren Panik. Als die ersten Todesfälle in Antananarivo gemeldet wurden, behaupteten einige, dass die Lebensmittel absichtlich vergiftet worden seien. Mehrere Personen wurden sogar festgenommen. Auch wenn kriminelle Absicht nie ganz ausgeschlossen werden kann, spricht die Häufung von Fällen an verschiedenen Orten eher gegen diese Theorie.

Aberglaube ist in Madagaskar nach wie vor tief verwurzelt und führt oft dazu, dass echte medizinische Hilfe zu spät in Anspruch genommen wird – manchmal mit tödlichen Folgen. Ein Mangel an grundlegendem Gesundheitswissen und Hygienekenntnissen ist einer der Hauptgründe dafür. Deshalb sind wir weiterhin motiviert, abgelegene ländliche Regionen zu erreichen, in denen wir wichtige Fähigkeiten wie Erste Hilfe vermitteln.
Wir sind überzeugt, dass dieses Wissen tatsächlich Leben retten und unnötige Todesfälle verhindern kann – und gleichzeitig die Ängste in den lokalen Gemeinschaften reduziert.
Sich gegenseitig stärken
Was AiNA soa wirklich von anderen Arbeitsplätzen unterscheidet, ist die echte Aufmerksamkeit und der gegenseitige Respekt unter den Kolleginnen und Kollegen. Ich fühle mich wertgeschätzt und ernst genommen. Neben meiner Arbeit als Köchin, bin ich auch für die Reinigung aller Trainingskleider und -materialien zuständig. Diese Aufgabe erfordert viel Zeit, Einsatz und körperliche Kraft – besonders, wenn die Trainings direkt nacheinander stattfinden. Manchmal verbringe ich den ganzen Tag mit Putzen und gehe erschöpft ins Bett.

Vor einigen Monaten wurde ich tief berührt von einer Entscheidung unserer Führungsteams in Madagaskar und der Schweiz: Sie haben mir eine «Waschmaschine» zur Verfügung gestellt, um meine Arbeitsbelastung zu erleichtern. An dieser Stelle möchte ich allen danken, die AiNA soa unterstützen. Ganz gleich, ob eure Hilfe materieller, finanzieller Art ist oder durch Zeit und Ermutigung – sie macht einen echten Unterschied, sowohl in unserer Arbeit als auch für unser persönliches Wohlbefinden.
Zum Schluss
Liebe Leserinnen und Leser: Lasst uns einander unterstützen. Helfen wir uns gegenseitig und teilen wir miteinander Ideen, die anderen zugutekommen – nicht nur uns selbst. Egoismus und Gleichgültigkeit gegenüber anderen führen zu nichts Gutem. Gemeinsam gehen wir den Weg hin zu positiven Veränderungen.
Mamitiana, Verantwortliche für Küche/Catering und Reinigung, Assistenz-Trainerin